Nachhaltigkeit: Zwischen Innovation und Tradition?

Nachhaltigkeit sollte kein linkes politisches Konzept sein,  sondern eine Innovationspeitsche.

 

Der Begriff Nachhaltigkeit hat seit seine erste Erwähnung im deutschsprachigen Raum durch Hans Carl von Carlowitz (1713) markante Veränderungen erfahren. Er entspringt den Anforderungen der Urproduktion: „wie eine sothane Conservation und Anbau des Holzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe

 

1983 war der nächste Markstein: Durch den „Brundtland-Report“ der UN wurde ein neuer Begriff der Nachhaltigkeit vorgelegt, das „Drei-Säulen-Konzept“ der Nachhaltigkeit. Die drei Säulen – die idealerweise in einem Gleichklang seien – sind Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie.

 

Heute gibt es eine bunte Vielfalt an Definitionen: Vom dynamischen Vier-Kräfte-Modell über Ökobilanz und ISO-Norm bis hin zu Corporate Social Responsibility. Zahlreiche Gütesiegel, Parteien, Institutionen und NGOs flankieren heute „Nachhaltigkeit“ und leben gut und gerne davon.
Sie wurde Selbstzweck. Politisch motivierte Regulierungen und Unvereinbarkeiten ersticken die Nachhaltigkeit. Gleichzeitig ist sie zu einem politischen Wunschkonzert verkommen, in dem ihre Planken – Wahrheit und Wissenschaft – or­dentlich gebogen werden. Damit stellen sich heute zwei neue, eigentlich sehr alte Anforderungen an das Thema: Freiheit und Innovation.

 

Nachhaltigkeit wurde Ideologie.

 

Diese Anforderungen scheinen auf den ersten Blick dem Paradigma von Nachhaltigkeit zu widersprechen. Sie widersprechen ohne Zweifel den Ansätzen derer, die den Blick auf das Bewahren richten und politischen Wünschen gehorchen.

 

Aber ohne Neufassung der Tradition durch Innovation ist keine Nachhaltigkeit gegeben. Ihre Grundlage ist die Freiheit. Was auch immer diese beiden Kräfte – Innovation und Freiheit – behindert, verschwindet aus der Geschichte und hat kein Fort­bestehen; ist nicht nachhaltig.
Damit kann man umgekehrt sagen: Jene Traditionen, die per se nicht die Freiheit und nicht die Innovation in sich tragen oder diese aus den Augen verlieren, sind nicht nachhaltig.
Ein Nachhaltigkeitsprinzip, welches sich neben anderen daraus ableiten lässt, lautet:

Jede Innovation muss die Freiheit sowohl des Einzelnen wie der Allgemeinheit maximal befördern.

 

Nachhaltigkeit hat nichts mit ­romantischem Bewahren und der Furcht vor Veränderung zu tun.

 

Umgekehrt gibt es für die Nachhaltigkeit abträgliche Prinzipien. Zwei sollen hier besonders hervor­gehoben werden. Erstens: Statt Herrschaft des Gesetzes wütet die Willkür. Man agiert nach double standards. Zweitens: das Fehlen eines freien Bürgertums.
Ob zuerst der freie Markt war oder das freie Bürgertum, ist eine Frage nach Henne und Ei. Sicher ist: Ist das eine nicht, hat man das andere auch nicht und umgekehrt.

 

Jene Unternehmen – bis hin zu Wirtschaftsräumen – sind nachhaltig und damit überlebensfähig, die ­ihren Bürgern Freiheit und Herrschaft des Gesetzes garantieren. Einschränkungen wie die der Meinungs- und ­Pressefreiheit – und seien sie noch so wohlmeinend – führen zum Niedergang und sind nicht nachhaltig.

 

Nachhaltigkeit hat nichts mit ­romantischem Bewahren und der Furcht vor Veränderung zu tun, ­sondern alles mit Innovation, Disruption, ja auch Spaltung und vor allem Freiheit: Diese Tradition muss man täglich bewahren. Das ist dann Nachhaltigkeit.

 

 

Erstpublikation bei FORBES

3 Kommentare zu „Nachhaltigkeit: Zwischen Innovation und Tradition?

  1. Hat dies auf Ein Rödermark-Kommentar rebloggt und kommentierte:
    Dieser zuerst auf Forbes.at erschienene Artikel fasst auf kurze Weise zusammen, was ich an der Politik der Stadt Rödermark ablehne.
    Zwei aktuelle Beispiele:
    1.) Die Stadt nutzt die Fördergelder des Programms „Stadtumbau Hessen“ nicht dazu, um eine bessere Infrastruktur zu schaffen, die die Lebensqualität aller Bewohner und die Qualität der Services von Unternehmen aller Größen steigert. Stattdessen ist die Stadt Rödermark selbst wie ein Unternehmen der Wirtschaft tätig geworden, indem sie die Einrichtung des Rodau-Marktes über das Förderprogramm hat laufen lassen. Gleichzeitig blockiert(e) die Stadt den an Rödermark interessierten Edeka-Markt mit fadenscheinigen Argumenten. Ich halte es für ethisch nicht vertretbar, dass eine Stadt sich auf diese Weise in das Wirtschaftsleben einmischt und aufgrund irgendwelcher obskurer (vermutlich mit Nachhaltigkeit) begründeter Basis zu diskriminieren. Ganz abgesehen davon, dass ich einen Wochenmarkt nicht wirklich für nachhaltiger als einen Großmarkt halte. Aber das ist ein anderes Thema.
    2.) Die sogenannte „Koop Nachhaltigkeit“, die ich als grüne Propaganda im Rahmen der Früherziehung bezeichne, lehrt die Kinder nicht nur dass Sparsamkeit und Umweltfreundlichkeit sinnvoll sind, sondern sie erzählen den Kindern auch dass Erneuerbare besser sind und dass sie nicht immer bei den Discountern einkaufen müssen, sondern auch das gute Brot beim Bäcker probieren sollten. Die Implikation ist, dass die Qualität beim Discounter geringer ist als die Qualität beim Bäcker. Das ist dann Nachhaltigkeit. Aber, und das ist der springende Punkt, es werden keine Gegenargumente vorgestellt, es wird einfach davon ausgegangen, dass die eigene Vorliebe besser ist, nachhaltiger ist, zukunftsfähiger ist. Nur ein Gegenargument an der Stelle: nicht alle können sich die Preise beim Bäcker (oder beim Wochenmarkt) leisten. Und selbst wenn, was geht es unsere Politiker einschließlich der Klimaschutzmanagerin an, wer was wann wo einkauft?
    Die Nachhaltigkeitspolitik der Stadt Rödermark mit ihrer grün-schwarzen Spitze erscheint mir in der Tat dem Selbstzweck verpflichtet zu sein, nennt ihre Einseitigkeit „nachhaltig“ und möchte im Prinzip dass alle ihren Vorlieben folgen. Einen weiteren Effekt hätte das, wie ich vermute: da diese Meinungen und Vorlieben bundesweit durchgesetzt werden sollen, und zig Förderprogramme von sogenannten Experten erfunden worden sind, würden sich die Chancen für die Stadt Rödermark auf Antragsbewilligungen weiterer Förderprogramme (und Schutzschirme?) erhöhen, wenn sich genügend Leute dem Willen der Stadtspitze fügen würden. Das ist allerdings wirtschaftlicher und ethischer Unsinn und sollte mit allen Kräften verhindert werden. Freiheit!

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