Kuffarphobie

Islamisten sind schnell bei der Hand, jede Kritik am Islam als „Islamophobie“ zu denunzieren. Tatsächlich sollte man über die Kuffarphobie islamischer Kreise sprechen.

 

Kuffar ist der Ungläubige im Islam. Er umfasst einfach alle Nicht-Gläubigen. Um präziser zu sein, alle, die nicht an Allah und seinen Propheten Muhammed glauben. Der Kuffar ist unrein und er hat nur ein kleines Zeitfenster sich zu Allah zu bekennen oder eben als Kuffar bekämpft zu werden.

 

In weiten Kreisen des Islam dominiert die Kuffarphobie: Alles was er macht, ist per se böse und schlecht, gerne auch als haram bezeichnet. Frauen ohne Hijab, gelebte Homosexualität, Judentum oder Freiheit des Wortes lösen heftige, oft gewalttätige Reaktionen auf. Sie sind Beispiele für eine Kuffarphobie.

 

Die Welt ist in absolut Böse und Gut eingeteilt. Wenn man meint absolut gut zu sein und auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, reagiert man individuell wie kollektiv mit Phobie, sprich mit angstbesetzter Aversion und Feindseligkeit.

 

Man wähnt eine Bedrohung seiner Existenz. Die Bedrohung is jedoch eine eingebildete, eine projizierte, die sich aus dem eigenen Wahngebäude speist. Für Grautöne, Differenzierung ist da kein Platz.

 

Die Phobie zwingt in die radikale Fundamentalablehnung. Man ist Kuffarphob. Alle gegenteiligen Maßnahmen und Beispiele nutzen wenig: Man lässt Moscheen bauen, man lässt reaktionär-faschistische Islamverbände mitgestalten, man verbietet den Hijab nicht und bemüht sich allgemein um Integration.

 

Der „Phobe“ kann dies nicht annehmen, da er überall den Betrug, das Hintergehen wittert einerseits, andererseits ist sein Ziel die vollständige Unterwerfung, die vollständige Herrschaft des Islam qua Umma.

 

Der Ungläubige, der Kuffar, kann nichts gutes machen oder geben. Würde er, das eigene Gebäude käme rasch ins Wanken. So grenzt man sich und andere ab und zwingt die eigenen „Reihen“ in die Radikalität…man ist kuffarphob.

 

George Weinberg hat die „Homophobie“ beschrieben, worin er deutlich auch die religiöse Dimension benennt. Die Nahtstellen zur Kuffarphobie sind augenscheinlich:

 

„Ich prägte das Wort ‚homophobia‘, um auszudrücken, dass es eine Furcht vor Homosexuellen war … Es war eine Furcht vor Homosexuellen, die mit einer Furcht vor Verseuchung verbunden zu sein schien, einer Furcht davor, die Dinge, für die man kämpfte – Heim und Familie – abzuwerten. Es war eine religiöse Furcht und es hatte zu großer Unmenschlichkeit geführt, wie es die Furcht immer macht.

 

Hier, in der Kuffarphobie: Es ist die Furcht vor dem dem Ungläubigen, dem Kuffar.

 

Mutatis mutandis kann man Kuffarphobie so als eine Furcht vor dem Ungläubigen, dem Kuffar, im Islam beschreiben. Auch die Furcht vor der Versuchung und ihre Abwehr als Versuchung ist gegeben, ja Teil des religiösen Drehmoments, wie auch die Furcht besteht, die Umma werde abgewertet und stehe in Gefahr, solange die Welt nicht islamisch ist.

 

Die wesentlichen Elemente zur Beschreibung der Homophobie lassen sich auch in der Kuffarphobie finden mit dem Unterschied: Bei Homophobie wird eine quasi-religiöse Dimension verortet, die Kuffarphobie hingegen weist konstituierend eine religiöse Dimension auf; es ist Ausdruck der Religiösität.

 

Es mag hilfreich sein, um die Dimension der Kuffarphobie zu verorten, wenn man neuerlich auf die Ausführungen von Weinberg blickt: „Homophobie ist genau das: eine Phobie. Eine morbide und irrationale Scheu, die irrationale Flucht hervorruft oder den Drang, den Stimulus der Phobie und alles daran Erinnernde zu zerstören.

 

Unschwer kann man dies auf die Kuffarphobie übertragen. Politische Phobie ist – wie die Homophobie oder Kuffarphobie – durch Wut und Hass charaktersisiert und erzeugen Leidensdruck bei anderen, folgt man der Differenzierung von D.A.F. Haaga, wonach zwischen einer politischen und individuellen Phobie zu differenzieren sei, mit dem Resultat, dass Homophobie eine politische Phobie darstelle, was ich auch als ein wesentliches Kennzeichen der Kuffarphobie erachte. Ist jetzt jeder Muslim „kuffarphob“? Nein, gewiss nicht.

 

Ob nun fehlgeleitet oder nicht oder ob Ausdruck des „wahren“ Islams oder nicht, ist an dieser Stelle ohne Bedeutung und auch nicht impliziert. Es ist auch nicht Angelegenheit des Opfers von Kuffarphobie, dies zu verhandeln.

 

Diese Phobie in ihren Ursachen zu bekämpfen, ist eine innerislamische Angelegenheit, sich aber gegen diese Kuffarphobie zu wehren und ein Leben frei von Kuffarphobie führen zu können, ist Angelegenheit all jener, die eben nicht an Allah und seinen Propheten glauben.

 

So wie Homophobie geächtet und abgelehnt wird, so hat diese Ächtung und Ablehnung für die Kuffarphobie zu gelten. Kuffarphobie ist ein inakzeptables Verhalten, eine Bedrängnis der freien Welt. So wie es heißt „Nazis raus“, muss es auch heißen „Islamisten raus“.

3 Kommentare zu „Kuffarphobie

  1. Jedem seine Phobie, sowas kann man nicht verbieten.

    Weit schlimmer als die hier beschriebene Kuffarphobie finde ich die in manchen Ländern vorherrschende Religionsfreiheitsphobie, aber auch die insbesondere bei einigen Despoten manchmal anzutreffende Selbstkritikphobie.

    Bedauerlicherweise gibt es sogar in manchen demokratischen Rechtsstaaten (oder die sich dafür halten) zeitweise eine Allgemeine-Menschenrechte-Phobie.

    Typisch für Diktaturen scheint mir die Meinungsfreiheitsphobie zu sein, und ganz schlimm finde ich die „Lügenpresse“-Phobie, die bei manchen Leuten grassiert, die vielleicht nur das in den Medien veröffentlicht wissen wollen, was sie selber für „Die Wahrheit“ halten.

    By the way:
    Mit dem Schlusssatz Deines Beitrags schießt Du Dir m.E. leider selber ins Knie — denn Nazis, Rassisten und Islamisten überzeugt man nicht davon, dass sie im Irrtum sind, indem man sie rausschmeißt oder sonstwie ausgrenzt. Damit bestärkt man sie eher in ihren Überzeugungen. Es geht allenfalls mit Sachargumenten (sachlich vorgetragenen Argumenten).

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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    1. Zum letzten Satz und Schuß ins Knie: Ich denke bei geschlossenen Weltbildern kommt man nicht durch, die das Sachargument per se ablehnen und ihre eigenen alternativen Wahrheiten und Epistemen haben. So wie man schlußendlich die Nazi-Herrschaft militärisch vernichten musste, wird es nicht anders mit islamistischen Diktaturen sein. Die Wendung, der Satz ist so allegorisch zu verstehen.

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      1. OK, allegorisch verstanden.

        Dass man bei Menschen mit geschlossenen Weltbildern mit Sachargumenten nur schwer etwas erreichen kann, ist wohl so. Das betrifft jedes geschlossene Weltbild, egal ob religiös oder sonstwie weltanschaulich fundiert, ob politisch links oder rechts. Schwierig wird es insbesondere, wenn Hass die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinträchtigt.

        Zum Begriff „Islamisten“:
        Diesen halte ich für problematisch, weil ich für die Unterscheidung „Islam“ und „Islamismus“ nicht sehe, wie und wo man die Grenze ziehen könnte.
        Sind Länder, in denen islamische Gesetze gelten / in denen Islam die Staatsreligion ist, „islamisch“ oder „islamistisch“ ?
        Ist jemand, der im Koran ein göttliches Gesetzbuch sieht, „islamisch“ oder „islamistisch“ ?
        Da wird es mit der Forderung „Islamisten raus“ verfassungsrechtlich (GG Artikel 16) sehr bedenklich !

        Im Koran gibt es (kurze) Verse, deren Eingangssatz wahrscheinlich „islamisch“ ist, der übrige Text des Verses jedoch „islamistisch“ genannt werden kann.
        Sure 18 Vers 29 ist dafür ein wunderbares Beispiel.

        Vergleichbares gibt es m.W. (– zum Verständnis: ich habe nie einer Religion angehört, musste keinen religiösen Initiationsritus oder ähnliche Zwangsmaßnahmen / Menschenrechtsverletzungen über mich ergehen lassen –) auch in manch anderen „heiligen“ Büchern, ohne dass jedoch die Anhänger der jeweiligen Religion in „normale“ Gläubige und „-isten“ unterschieden würden.

        Eckhardt Kiwitt, Freising

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