Die Schoa für Gauland: Ein „Vogelschiss“

Wer die Schoa, 80 Millionen Tote und die Zerstörung Europas relativiert, als „Vogelschiss“ erachtet, der hat sein politisches Recht verloren. Es darf mit dieser antisemitischen, rechtsextremen AfD keine Kooperation mehr geben.

Spätestens nach dem Bundesparteitag zum Wahlkampf 2017 muss klar gewesen sein, dass die AfD eine rechtsextreme Agenda hat.

Die Warnsignale waren überdeutlich: Relativierung der Wehrmachtsverbrechen, Infragestellung der Existenz Israels, Verbindungen zur islamistischen Diktatur Teheran bis hin zu Euthanasiephantasien gegenüber Behinderten.

Sie ist keine Alternative für Deutschland und sie ist keine Alternative für bürgerliche Wähler. Sie ist eine tödliche Bedrohung jeglicher Freiheit.

Und schon gar nicht ist die AfD eine „Schutzmacht des Judentums“ in Deutschland, wie Gauland einst behauptete. Schon die Formulierung „Schutzmacht“ drückt eine autoritäre, gefährliche Willkürlichkeit aus und zeigt, wohin die Reise geht.

Wer die Schoa als „Vogelschiss“ erachtet, kann keine Schutzmacht des „Judentums in Deutschland“ sein.

Heute hat Gauland endgültig klar gemacht, was sein Ziel ist. Und ja, da passt es, wenn Gauland sich dagegen ausspricht, Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen zu wollen.

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Gerne wird von der AfD-Bauchtanzgruppe dann der berühmt-berüchtige „Kontext“ bemüht, der alles relativieren, alles weichspülen soll; es gehört mit zur Inszensierung.

Besonders erbärmlich jene Argumentation zur Entlastung Gaulands, die da meint, er habe ja Hitler als „Vogelschiss“ bezeichnet, was ja, so geht das Argument weiter, doch wohl richtig sei.

Nein: Das hat Gauland eben nicht gesagt, sondern er hat diese Spanne deutscher Geschichte in den größeren Rahmen der deutschen Geschichte als vernachläsigbare Größe, eben als „Vogelschiss“ wertend verortet. Die Schoa ist weder in der deutschen noch in der jüdischen Geschichte ein „Vogelschiss“.

Nun scheint man sich in der AfD knapp vor dem Ziel zu wähnen und sehr sicher zu sein, wenn man meint, die Schoa als „Vogelschiss“ bezeichnen zu können. Dazu bemüht man Bilder vom „1000-jährigen Reich“, um assoziativ nochmal an dem Narrativ der Nazi-Ideologie anzuschließen.

Und ja, es ist Fake-Geschichte – wie man sie auch aus dem Nahen Osten von den „Palästinensern“ kennt – die hier bemüht wird, denn es gibt keine 1.000-jährige deutsche Geschichte als „deutsche“ Geschichte. „Die deutsche Geschichte war die längste Zeit über keine Nationalgeschichte. Und als sie schließlich im 19. Jahrhundert zur Nationalgeschichte geriet, hatten die Deutschen noch längst keine angemessene Staatsform gefunden. Sie blieben rastlos. Und bald wurde es furchtbar.„, so Thomas Schmid in der DIE WELT. (Edit: 3. Juni)

Dies geht nur, wenn man sich einen rassisch homogenen „Volkskörper“ halluziniert und Geschichte rückwärts schreibt. Eine Wahnvorstellung, die in der Schoa und in den Schrecken des Zweiten Weltkriegs Realität wurde.

Was soll da schließlich noch der nachgeschobene Satz, man bekenne sich zur historischen Verantwortung … historische Verantwortung gegenüber etwas, was man als „Vogelschiss“ erachtet?! Wie perfide und verschlagen bösartig.

Mit dem heutigen Satz hat Gauland klar gemacht, wie ES in ihm denkt. Er hat allen deutlich vermittelt, was für ihn die Leben von sechs Millionen Juden und 80 Millionen Kriegstoten sind: ein „Vogelschschiss“!

 

PS: Die objektiven Defizite der Regierungs- und Oppositionsparteien stellen für die AfD eine Trägerrakete dar. Darin liegt die Verantwortung der anderen Parteien und darin gleicht Gauland einem Erdogan, für welchen die Demokratie nur eine Trägerrakete darstellt, um den islamischen Staat durchzusetzen. Gauland will ein rechtsextremes Autoritätsregime durchsetzen, wo die AfD bestimmt, wer zum „deutschen Volk“ gehöre und wer nicht. Die Regierungs- und Oppositionsparteien müssen endlich die Probleme Deutschlands ansprechen, anpacken und lösen, auch wenn es schmerzt, und endlich ihren Rollen gerecht werden: Als Regierung und als Opposition. Denn das Kalkül der AfD geht tagtäglich auf, treibt die Menschen in ihre Hände, weil weder Regierung, Opposition noch Medien und andere relevante gesellschaftlichen Kräfte ihren Job machen, ihre Kernkompetenzen aus dem Blick verloren und ein moralisches Haltungsproblem mit ihren notorischen double standards haben, die schließlich den Rechtstaat und seine Fundamente zermürben, schleifen und zerstören.

PPS: Am 15. September 2017 schrieb ich unter dem TitelNach dem Stolz von Gauland, kann es nur mehr ein Nein zur AfD geben.“, was mir einen denunziatorischen und kredit-wie rufschädigenden Shitstorm rechtsextremer Kreise eintrug : „Die Rede von Alexander Gauland ist unerträglicher Geschichtsrevisionismus und mehr als nur eine Verharmlosung des NS-Regimes Am 2. September hielt Gauland eine Rede, von welcher Teile Sätze enthielten, die man bisher nur aus der Ecke der NPD hören konnte. Solche Sätze sollen im deutschen Bundestag ankommen? Dazu muss man klar nein sagen. Wenn Gauland sagt, man solle stolz auf die Leistungen der Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg sein, negiert er nicht nur die Verbrechen der Wehrmacht, die unzweifelhaft dokumentiert sind, er stellt auch indirekt die Schoa und den Holocaust in Frage. Denn unzweifelhaft hat die deutsche Wehrmacht am Holocaust mitgewirkt…darauf soll man als Deutscher nun stolz sein? In das argumentative Setting von Gauland passt dann weiter auch trefflich, dass man endlich einen Schlußstrich ziehen dürfe, ja müsse und solle. Weder faktisch noch moralisch ist ein Schlußstrichziehen möglich, sinnvoll und machbar. Dieses dunkelste Kapitel deutscher Geschichte wird nie vergessen sein dürfen und wird es auch nicht. Hier wird es keinen Schlußstrich geben, der, wenn überhaupt, dann von den Opfern gezogen wird, aber sicher nicht von den Tätern. Was Gauland sagt ist faktisch und moralisch falsch. Beide Sätze von Gauland haben AfD Anhänger vom „Flügel“ am 2. September im Kyffhauser-Treffen zu frenetischen Begeisterungsstürme hochgepeitscht. Das ist eine besorgniserregende Botschaft. So wie andere Parteien gut beraten wären, sich von ihren anti-israelischen, pro-islamischen Flügeln zu trennen, so ist die AfD gut beraten sich von einem Gauland, Höcke und anderen völkischen Geisterfahrer zu trennen.

 

Logbuch – Kommentare zu Gaulands „Vogelschiss“ in anderen Medien:

 

FAZ

WELT

RUHRBARONE

 

8 Kommentare zu „Die Schoa für Gauland: Ein „Vogelschiss“

  1. Was ist dann die Alternative? Die Altparteien so wie bisher weitermachen lassen? Ist eine Islamisierung Europas auch für Menschen jüdischen Glaubens und Israel nicht die viel grössere Gefahr? Die AfD könnte ein „rechtsextremes Autoritätsregime“ theoretisch nur mit der absoluten Mehrheit errichten. Und dazu wird es nicht kommen. Praktisch gibt es auch in der AfD genug Vernünftige, die das nicht mittragen würden.

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    1. Judenhass, Antisemitismus und Hass auf Israel kommen heute aus links- und rechtsextremer und islamistischer Ecke. Das eine kann man nicht mit dem anderen nach dem Prinzip der Feind meines Feindes ist mein Freund gegenrechnen, denn alle drei sind Feinde des Judentums, auch wenn offiziöse Darstellungen versuchen das Gegenteil zu suggerieren. Darüber hinaus eint sie auch ihre Ablehnung von Freiheit, Menschenrechte und Demokratie und tatsächlich kann man sowohl historisch wie auch aktuell strategische bzw. taktische Allianzen zwischen diesen Kräften beobachten bzw. muss man konstatieren, wie beispielsweise zwischen AfD und dem iranischen Mullah-Regime in Teheran. Abschließend, die Formulierung „Menschen jüdischen Glaubens“ lehne ich ab.

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  2. Exkremente eines Vogels

    Wollte A.G., zum Ausdruck bringen, dass er Hitler und andere Granden des Nazi-Terrorregimes sowie deren heutige Anhängerschar und Verehrer (von denen es mglw. auch einige in der Partei und in der Wählerschaft gibt, der A.G. angehört ?) gewissermaßen für sowas wie die Exkremente eines Vogels hält ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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      1. Danke für die Klarstellung und Richtigstellung. Habe inzwischen den vollständigen Satz, den A.G. gesagt hat, in Zeitungsartikeln gelesen.

        Umso erstaunlicher, dass er (A.G.) und seine aus meiner Sicht rechtsreaktionäre und der nationalsozialistischen Ideologie mindestens nahestehenden Partei z.B. in einem Blog (Kreiszahl 3,14…) verteidigt wird, dessen Betreiber, ein Ex-Lehrer aus Köln, der sich, wie auch einige seiner Autoren, gern mit Alt- und Neonazis solidarisiert, behauptet, „proisraelisch“ zu sein.

        Zu denen fällt mir ein Zitat von Amos Oz ein:

        Jede Katastrophe der Entmenschlichung in der Geschichte beginnt mit der Entmenschlichung der Sprache.

        (Amos Oz)

        Eckhardt Kiwitt, Freising

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