Nachhaltigkeit, Wirtschaft und die reale Welt

93 Prozent der 250 größten Unternehmen der Welt haben einen Nachhaltigkeitsbericht. Das ist eine gute Nachricht. Aber niemand interessiert es.

Ähnlich verhaltet es sich mit den Gütesiegeln und den zahllosen Awards. Man möchte angesichts der vielen Awards, Messen, Gütesiegeln und CR/CSR/Nachhaltigkeitsberichte, integriert oder nicht, meinen, die Welt ist eine andere geworden.

Nur gute Nachrichten überall, nur saubere, glücklich strahlende Menschen tollen auf grünen Wiesen herum, abwechselnd Lämmer und dann mal Kinder oder am besten Kinder mit Teddybären herzend.

Es nimmt sich aus wie ein Gemälde zur heilen Welt, in dem natürlich nicht die „kritischen“ NGOs fehlen dürfen, die schon lange ihr Herz und Seele an den jeweils bestbietenden verkauft haben.

All diese Inszenierungen interessieren immer weniger, sind selbstreferentiell und bewegen niemanden mehr. Es fehlt ihnen die Glaubwürdigkeit.

 

Fehlende Glaubwürdigkeit: 3 Gründe

 

Erstens, weil sich immer öfters und drängender herausstellt, die Botschaften sind nicht wahr bzw. stimmen so nicht ganz, wie behauptet. Skandal um Skandal reiht sich mittlerweile in der Nachhaltigkeitsszene.

Zweitens, viele der „heilen“ Unternehmen und „guten“ NGOs findet man immer häufiger in den Schlagzeilen und shit-storms. Da Betrug, dort Korruption, hier gierige Manager, gewerbsmäßiger Betrug und die totale Überwachung wie die reklamationssichere Beta-Version sind sowieso Teil der Geschäftsbedingungen.

Drittens, es fehlt an kritischen und unabhängigen Medien, die über Nachhaltigkeit kompetent und interessant berichten können. Die vielen guten Botschaften, die es dennoch gibt, haben keinen Hintergrund und kein Dispositiv.

 

3 Herausforderungen

 

Nachhaltigkeit kommt nicht vom Fleck, weil drei Herausforderungen offen und zu meistern sind, um den oben skizzierten Befund konkreter zu erörtern: Erstens, Kommunikation/Medien, zweitens, die gesellschaftspolitische Dimension und drittens die Herausforderung der Überprüfung.

Zur ersten Herausforderung: Nach wie vor wird Nachhaltigkeit mit sehr verstaubten Medienkonzepten abgebildet, sieht man sich die aktuelle Landschaft grüner Medien an.

Wagen sich konventionelle Medienhäuser daran, so sind sie regelmässig bisher gescheitert, weil es ihnen schlicht an Kompetenz und Glaubwürdigkeit fehlt und diese blamable Tatsache will man sich nicht eingestehen. Die Verlage scheitern hier an der eigenen Inzucht, ihren selbstgesteckten Normen und Angst vor Innovation.

Der Mangel an Innovation illustriert die jüngste Vergangenheit grundsätzlich: Keine einzige der kommunikativen Revolutionen kam aus den großen oder kleinen Medienhäuser: Twitter, facebook, pinterest etc. pp. So verwundert es nicht, dass Medien der Nachhaltigkeit noch nicht existieren. Da ist sehr viel Luft, Potential und Phantasie drinnen. Da braucht es Mut zum Scheitern und Wagniskapital.

Ideal wären drei bis vier Leitmedien der Nachhaltigkeit. Bis dahin muss die Zukunft auf ihre Medien warten. Dieses Vakuum wird aktuell durch die Social Media besetzt, die diese Rolle strukturell aber nicht erfüllen können: Viele Indianer, die plötzlich Häuptlinge spielen müssen und auch möchten, doch an allen Ecken und Enden fehlen ihnen die Visionen, die Kompetenzen, das Leadership und die Entwürfe.

Dies leitet über zur zweiten Herausforderung, die gesellschaftspolitische Dimension. Es fehlt der große Wurf zur tatsächlichen Verbesserung der Welt. Vielmehr dominiert ein Retro-Bewußtsein, wo Grundwerte wie Freiheit und Selbstbestimmung als feindliche, störende Elemente gelten. Nachhaltigkeitskonzepte wurden politisch von links gekapert und haben zu einer unerträglichen Verbotskultur und erdrückenden Steuerschraube geführt.

Hingegen, Nachhaltigkeit ist nur das, was Freiheit befördert, und nicht einschränkt wie aktuell.

Man kann dies gut sehen am Beispiel „Klimawandel“, wie die Verbotskultur, die das Nachhaltigkeitsparadigma gekidnappt hat, schwach performt, ja floppt.Jahr für Jahr werden mehr Mittel eingesetzt, schlägt immer schrillere Töne an und fordert mehr und mehr Verbote und was passiert: Man scheitert! Man muss sich endlich die Akteure und die Mittel kritisch ansehen, deren Wege seit Rio augenscheinlich nicht funktioneren.

Die zahlreichen Klimaschutzkampagnen, Förderungen, Aus- und Umstiege haben das Gegenteil bewirkt. Statt endlich kritisch zu evaluieren, wird ein „Weiter-So-und-Mehr“ intoniert und fleissig an der Steuer- und Verbotsschraube gedreht, ohne dass sich Erfolge im Stop des Klimawandelns eingestellt hätten.

Die bisherige Strategie der Verbots- und Steuerschraube muss man als gescheitert erachten. Es müssen andere Wege eingeschlagen werden, um den Klimawandel zu stoppen.

Denn ja, es geht auch um viel Geld in der Klimaschutz- und Lobbyindustrie. Geld, das vornehmlich nicht aus der Privatwirtschaft, sondern vom Staat kommt, also dem Bürger.

Warum nicht aus der Privatwirtschaft? Weil die steuerrechtlichen Anreize fehlen und Europa eine innovationsfeindliche Gesetzgebung hat. Nachhaltigkeit wird nur, wenn man endlich wieder Innovation, Disruption wagt und das strategische Ziel die Maximierung von Freiheit ist. Nachhaltigkeit ist da nur ein Instrument.

Dies leitet zur dritten Herausforderung über: Die der Evaluierung, der Überprüfung, der Testierung, also der Qualitätskontrolle allgemein gesprochen, die sich schlussendlich durch ein Siegel, einen Preis, ein Ranking, einen Nachhaltigkeitsbericht oder anderen Kommunikationsinstrumenten ausdrücken.

Faktisch hat man es mit einem Kartell von Gutachtern, Juroren und Gremien zu tun, welche im hohen Grade selbstreferentiell und auch meist wenig transparent sind und in einem sehr dichten Geflecht an Unvereinbarkeiten stecken, die man wahrscheinlich in keinem anderen Bereich dulden würde.

Hier braucht es endlich unabhängige Institutionen und Initiativen für eine unabhängige Kontrolle; unabhängig von Staat, Wirtschaft und NGOs. Zumindest braucht es rasch eine Entflechtung und Transparenz.

In Summe, die Apologeten der Nachhaltigkeit heute verstehen nichts von Wirtschaft und haben das Paradigma der Freiheit mit ihrer Verbotskultur und Innovationsfeindlichkeit unterhöhlt.

So wird und muss auch Nachhaltigkeit scheitern. So wird man den Klimawandel nicht stoppen können.

Was heute NGOs und Lobbyisten der Nachhaltigkeit propagieren, ihr fortgesetzter Alarmismus und ihre hidden political agenda, verschärfen den Klimawandel, vertiefen die soziale Ungleichheit und schränken die Freiheit ein.

 

Lesen Sie auch: Nachhaltigkeit als Innovationspeitsche

 

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